Verlage vs. …
Seit geraumer Zeit macht die Verlagswelt immer wieder Schlagzeilen mit ihrem Kampf gegen das digitale Zeitalter. Statt sich anzupassen und neue Wege zu finden, wird analog zur Musik- und Filmindustrie versucht, das alte Modell künstlich am Leben zu halten. Erst diese Woche haben wir die Auswirkungen davon beim Koalitionsgipfel der CDU/CSU und FDP gesehen: Google soll die großen Zeitungsverlage gefälligst querfinanzieren.
Doch nicht nur die Zeitungsverlage haben Angst vor dem Internet. Auch den klassischen Buchverlagen wird die Luft knapp. Seit Sommer letzten Jahres können unabhängige/neue Autoren mit dem “Kindle Direct Publishing” ihre Werke auch bei Amazon als Ebook verkaufen und nicht nur bei Smashwords, AllRomanceEbooks & Co – und die Verlage schreien Ach und Weh, weil Amazon ihnen damit ein Stück vom Kuchen abnimmt. Wohl gemerkt, wir reden hier von sogenannten “Indie-Autoren”, Autoren, die zum Teil vorher (vergeblich) von Verlag zu Verlag getingelt sind, um ihre Werke zu veröffentlichen, oder deren Werke vom Verlag nicht neu aufgelegt werden.
Seit November letzten Jahres können zumindest US-amerikanische Amazon-Prime-Kunden Ebooks via Amazon nicht nur kaufen sondern auch leihen. Und wieder schreit es aus dem Blätterwald, das Amazon-Leihmodell würde den Umsatz verringern. Und ebenfalls seit Ende letzten Jahres plant Amazon die ersten eigenen Print-Ausgaben und wird damit nicht nur größter Vertriebspartner sondern auch Konkurrent.
Alles in allem: Die Verlage haben Angst, dass ihnen die Felle davon schwimmen. Und was machen sie?
Statt dass sie endlich den direkten Weg zu ihren Lesern suchen, werfen sie denen auch noch Knüppel zwischen die Beine, indem sie als nächsten Gegner die öffentlichen Bibliotheken ausmachen. Denn – so die Theorie – jedes geliehene Buch ist ein verkauftes Buch weniger. Dass Nutzer von Bibliotheken gute Kunden der Verlage sind, wie Eric Hellman illustriert, wird dabei einfach übersehen. Zumindest scheint das die großen 6 amerikanischen Verlage nicht zu stören, denn seit Ende letzten Jahres gehen diese auf Konfrontation zu den Bibliotheken. Entweder können Bibliotheken Ebooks gar nicht (mehr) erwerben (Macmillian, Simon & Schuster) oder erst ein Jahr nach Erscheinen der Printausgabe (Penguin) oder zu immens gesteigerten Preisen (Random House). Und wenn sie sie dann haben, dürfen Ebooks in aller Regel nur an einen Nutzer gleichzeitig verliehen werden (“pretend it’s print”). Bücher von HarperCollins werden zudem nur für 26 Ausleihen lizensiert und müssen anschließend ersetzt werden.
Der Hauptteil dieses “Ebook-Wars” läuft momentan auf Kosten der amerikanischen Leser. So bleibt uns nur zu hoffen, dass die dortigen Bibliotheken den von Eric Hellman vorgeschlagenen Weg wählen und die Chance ergreifen, im Gegenzug für gestiegene Preise auch eine bessere Gegenleistung von den Verlagen zu fordern, oder die Verlage irgendwann einsehen, dass sie durch künstliche Verknappung von Produkten nur sich selbst schaden und die “Online-Piraterie” fördern.

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Dass die, die die Bibliotheken leerlesen, auch daheim normalerweise eine mittlere Bibliothek stehen haben dürften, ist denke ich ziemlich offensichtlich. Aber eben ist mir doch etwas die Kinnlade runtergefallen ob der Restriktionen, die die Verlage da machen.
Ich habe noch nicht ganz entschieden, was die schwachsinnigste Idee dabei ist. Das “pretend it’s print” kannte ich ja schon und war bisher an der Spitze der Liste. Aber ich glaube, das 26-Ausleihen-Limit ist mein neuer Favorit. Teurer oder später sind da (im Vergleich) einfach nur Frechheiten dagegen.
Verständlich, dass bisher vor allem die US-Leser dran glauben müssen. Das liegt vermutlich daran, dass ebooks hierzulande noch nicht die Verbreitung erreicht haben. Aber das ändert sich, und unsere Verlage sind keinen Deut besser als die über dem großen Teich. Siehe das Verlagsprivileg (das sogenannte ‘Leistungs’schutzrecht), das sie den Politikern gerade aus den Rippen leiern. Oh brave new world …
Ja, es steht zu befuerchten, dass der Bloedsinn hierzulande auch irgendwann umgesetzt wird. Warum auch nicht, wenn die “drueben” Kohle damit machen koennen, warum sollten die deutschen Verlage darauf verzichten?
Die Leidtragenden sind wiedermal die Kunden. Die Bibliotheken mit eingeschlossen (die in gewisser Weise ja auch Kunden sind.) Die meisten der kleineren Stadtbibliotheken haben eh schon Schwierigkeiten, in den modernen Zeiten mitzuhalten, Klassiker sind weniger gefragt und den Bestand staendig auf dem aktuellen Stand der Bestsellerlisten zu halten ist zu teuer/platzaufwendig. Das laesst sich dann mit Fernleihe realisieren, dauert dafuer aber und bringt logistischen Aufwand und Kosten fuer die Bibliotheken mit. Da kaeme die eBook-Ausleihe als Konzept eigentlich wie gerufen. Und man koennte sich wirklich darueber freuen, wenn einem die Sache nicht durch die Verlage bis ins Absurde hinein vermiest wuerde. Ein PDF nutzt sich nicht ab, wozu sollte man soetwas kuenstlich herbeifuehren? Und statt die Kundschaft mit unnoetigen Wartezeiten zu veraergern, weil “das einzige” Exemplar gerade ausgeliehen ist, koennte man allen Lesern das geben was sie wollen, wann sie es wollen und so oft wie sie es wollen.
Niemand verbietet das private Verleihen von Buechern. Geht ja auch schlecht, zum Glueck. Und solange man Buecher noch nicht kopieren konnte (zumindest nicht so, dass es sich wirklich lohnen wuerde, der Papierpreis ist dafuer einfach zu hoch), hat sich darueber auch keiner Gedanken gemacht. Kaum wirds digital, wirds auch schon kriminell. Wie gut, dass die Musikindustrie uns schon gezeigt hat, wies geht….
“Stell Dir vor es ist gedruckt” bringt das Problem doch auf den Punkt: Es ist eben nicht mehr gedruckt. Und man wills auch meistens nicht mehr gedruckt, elektrisch ist in vielen Fällen viel praktischer. Wenn’s aber keiner mehr gedruckt will, braucht man auch keinen mehr, der’s druckt, oder für den Druck vorbereitet, oder nachher den toten Baum durch die Gegend fährt, oder ganze Ladengeschäfte damit vollstapelt.
Was da grad passiert ist, als wenn Gazprom eine Sonderabgabe auf Glühbirnen durchsetzen würde, weil vor der Elektrizität ja schließlich mit Gas beleuchtet wurde: “Stell Dir vor, es ist Gas”
Kleines Schmankerl am Rande, Penguin hat sich was neues einfallen lassen, um Ebooks aus den Bibliotheken zu vertreiben: Sie haben den Transfer ihrer Bücher auf “USB only” eingeschränkt. Reine Schikane. kopfschüttel