In der aktuellen Diskussion um die Frauenquote wird oft emotional uns wenig sachlich diskutiert. Ich versuche mal, meine Sicht der Dinge geordnet aufzuschreiben.
Ist eine Frauenquote nötig?
Ja, wir sind von der Gleichberechtigung weit entfernt. Gesellschaftliche Klischees und Vorurteile halten sich, Frauen in Führungspositionen sind immer noch zu selten.
Die Kunst ist es, eine Quote zu schaffen, die wirksam ist und nicht Männer diskriminiert. Eichhörnchen bleiben an dieser Stelle einfach mal außen vor, ich beschäftige mich lieber mit Realpolitik
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Wie sieht es in der Praxis aus?
Als Negativbeispiel fällt mir sofort unsere Bundesministerin für Familien, manchmal möchte ich eher gegen Familien sagen, ein. Freiwillige Selbstverpflichtungen, die keine Konsequenzen bei Missachtung enthalten sind bestenfalls Lippenbekenntnisse. Die Flexiquote ist einfach nur Volksverdummung.
Auf der anderen Seite ist die im Frauenstatut von Bündnis 90/Die Grünen festgelegte Quote, die mindestens die Hälfte der Mandate und Positionen für Frauen vorschreibt. Der erste Listenplatz und alle weiteren ungeraden werden zwingend mit Frauen besetzt. Alle geraden Plätze können Frauen oder Männer sein. Hier schießt das Mittel über das Ziel hinaus. Ich erinnere mich an eine Wahllistenaufstellung, wo es ein Akt war, genug Frauen zu motivieren, überhaupt zu kandidieren. In der Praxis wurde es dann so gelöst, das die Frauen auf die ersten beiden Plätze verzichteten, da sich trotz vielen Gesprächen keine Frau bereit erklärte, auf diesen Plätzen zu kandidieren.
Wie genau findet man nun eine passende Quote?
Ich glaube, man muss sich im Rahmen eines „Pflichtanteils“ von 30%-50% bewegen. Die Quote alleine kann aber nicht helfen. Es muss offen und ehrlich geschaut werden, wie man Familie und Beruf unter einen Hut bringt, es müssen gleiche Gehälter für gleiche Arbeit gelten.
Was ist neben der Quote wichtig? Die Rahmenbedingungen!
Wir leben in einer Gesellschaft, in der Frauen und Alleinerziehenden eigentlich optimale Bedingungen geschaffen werden könnten. Sicher ist es für Unternehmen schwierig, jemanden einen Heimarbeitsplatz zu ermöglichen, der an Maschinen oder hinter einem Tresen steht. Hier könnten flexible Arbeitszeitmodelle und Stundenkonten helfen. Für die, die einen Büroarbeitsplatz haben gibt es hinreichend technische Lösungen. Komischerweise sind diese für Firmen oft prima, wenn der oder die Mitarbeiterin krank zu Hause ist und mal schnell was erledigen soll. Nur wegen Familie werden diese Lösungen aber oft ignoriert.
Ich bin in einer sehr guten Lage. Ich bin männlich, das was angeblich eine Fachkraft ist und habe eine tollte Frau und ein tolles Kind. Mein Gehalt reicht aus, dass meine Frau sich in der Hauptzeit um unsere 22 Monate alte Tochter kümmern kann. Mein Arbeitgeber ist flexibel genug, dass ich nahezu jederzeit kürzer arbeiten oder komplett zu Hause bleiben kann wenn es nötig ist. Alls meine Frau durch eine OP mehrere Wochen unser damals wenige Monate alte Kind nicht heben durfte war Heimarbeit und Urlaub sofort möglich.
Diesen Luxus haben leider nur wenige. Viele Familien und Alleinerziehende müssen den Euro mehrfach umdrehen. Überhaupt ist die klassische Familie auf dem Rückzug, es gibt immer mehr Alleinerziehende. Unternehmen stellen Frauen oft nicht ein, weil Sie schwanger werden könnten.
Schon heute haben wir mehr Frauen an den Universitäten als Männer, das Bildungsniveau der Geschlechter ist also ausgeglichen, zukünftig vermutlich sogar eher für die Frauen positiver. Trotz alle dem sind Männerseilschaften ungebrochen am regieren. Messehostessen müssen immer noch Kleidergrößen < 34 haben damit die Männer was zum schauen haben. Logisch und mit Sachzwängen wie Bildung und Kompetenz kann mir das keiner erklären. Auch würde mich der Aufschrei interessieren, wenn leicht bekleidete Studenten anstelle dessen ein Auto präsentieren würden.
Es ist Aufgabe der Politik, dass Kinder kein Armutsrisiko mehr sind. Das „typische Frauenberufe“ wie Kindergärtnerin oder Altenpflegerin so aufgewertet werden. Dass der gesellschaftliche Nutzen monetär und gedanklich honoriert wird. Auch müssen Kindergartenplätze, Ganztagsschulen und Freizeitangebote ausgebaut werden.
Es ist Aufgabe der Unternehmen, auf die Anforderungen von Frauen und Alleinerziehenden zu reagieren und Ihnen die Arbeitsplätze zur Verfügung zu stellen. Die Unternehmen müssen dieses nicht aus Barmherzigkeit tun. Sie müssen es tun, um eine Zukunft zu haben. Antiquierte Unternehmen werden keine Fachkräfte mehr finden und schlicht pleite gehen.
Es ist Aufgabe der Gesellschaft Kinder- und Pflegezeit als das anzuerkennen, was es wirklich ist. Harte Arbeit und gesellschaftliches Engagement. Auch muss es Konsens werden, dass Väter sich um Kinder kümmern während die Frau arbeitet, ohne dass sie als Weicheier abgestempelt werden.